Rund zwei Millionen Menschen leben in der Schweiz ohne Schweizer Pass. Das entspricht etwa einem Viertel der Bevölkerung. Viele von ihnen sind hier geboren oder aufgewachsen, andere sind als Erwachsene eingewandert. Sie arbeiten in der Schweiz, bezahlen Steuern, engagieren sich in Vereinen, übernehmen Verantwortung und haben hier ihren Lebensmittelpunkt. Dennoch können sie auf nationaler Ebene weder wählen noch abstimmen.

Die Volksinitiative «Für ein modernes Bürgerrecht (Demokratie-Initiative)» will den Zugang zum Schweizer Bürgerrecht neu regeln. Sie fordert einfachere, fairere und schweizweit einheitlichere Einbürgerungsverfahren. Wer sich seit fünf Jahren rechtmässig in der Schweiz aufhält, Grundkenntnisse einer Landessprache besitzt, die innere und äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet und nicht zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, soll auf Gesuch hin einen Anspruch auf Einbürgerung erhalten. Eine automatische Einbürgerung sieht die Initiative nicht vor.

Heute unterscheiden sich die Einbürgerungsverfahren je nach Kanton und Gemeinde teilweise stark. Unterschiedliche Wohnsitzfristen, Kosten und komplexe Abläufe können den Zugang zum Bürgerrecht erschweren. Betroffene erleben die Verfahren mitunter als schwer nachvollziehbar. Die Initiative will deshalb schweizweit klare und objektiv überprüfbare Kriterien schaffen. Der Bezug von Sozialhilfe oder das Fehlen einer Niederlassungsbewilligung C sollen nicht grundsätzlich zu einem Ausschluss von der Einbürgerung führen.

Damit wirft die Initiative grundlegende Fragen auf: Was bedeutet ein modernes Bürgerrecht für die Schweiz? Reicht ein fünfjähriger Aufenthalt aus, um einen Anspruch auf Einbürgerung zu begründen? Welche Sprachkenntnisse dürfen vorausgesetzt werden? Soll politische Mitbestimmung stärker daran geknüpft sein, wo Menschen dauerhaft leben – und weniger daran, welchen Pass sie besitzen? Und wie lässt sich sicherstellen, dass Einbürgerungsverfahren fair und nachvollziehbar sind und gleichzeitig eine tragfähige Verbindung zur Schweiz voraussetzen?

Diese Fragen stehen am Donnerstag, 10. September, im Zentrum eines Diskussionsabends der GRÜNEN Stadt und Region St.Gallen. Walter Brunner, ehemaliger SP-Stadtparlamentarier und Mitglied des Lokalkomitees der Demokratie-Initiative, stellt die Initiative vor und ordnet ihre Forderungen ein. Jeyakumar Thurairajah bringt seine persönliche Perspektive in die Diskussion ein. Er kam 1988 als Flüchtling aus Sri Lanka in die Schweiz und ist heute für die GRÜNEN Mitglied des St.Galler Stadtparlaments und dessen Präsident. Moderiert wird der Anlass von Michael Breu, Co-Präsident GRÜNE Stadt und Region St.Gallen.

Das Publikum ist eingeladen, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und mitzudiskutieren. Der Anlass richtet sich an alle, die sich für Demokratie, politische Teilhabe, Migration und gesellschaftlichen Zusammenhalt interessieren. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Datum: Donnerstag, 10. September 2026
Zeit: ab 18.30 Uhr
Ort: CaBi Antirassismus-Treff, Linsebühlstrasse 47, St.Gallen
Teilnehmende: Walter Brunner, Jeyakumar Thurairajah
Moderation: Michael Breu, Co-Präsident GRÜNE Stadt und Region St.Gallen

Der Eintritt ist frei.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: