Volksentscheid gegen weiteren Autobahnausbau respektieren

Mit der Vorlage «Verkehr ’45» bringt der Bund die dritte Röhre durch den Rosenberg und den Autobahnanschluss am Güterbahnhof erneut ins Spiel. Für die GRÜNEN Stadt und Region St.Gallen ist klar: Diese Projekte dürfen nicht weiterverfolgt werden. Die Stimmbevölkerung der Stadt St.Gallen hat den Ausbau der Nationalstrassen am 24. November 2024 mit 55 Prozent Nein-Stimmen deutlich abgelehnt. Auch schweizweit scheiterte die Vorlage an der Urne. Wer dieselben Ausbaupläne nun erneut vorlegt, missachtet den demokratischen Entscheid. «Die Bevölkerung hat Nein gesagt zu immer breiteren Autobahnen und noch mehr Autoverkehr. Diesen Entscheid muss der Bund respektieren. Die dritte Röhre und der Anschluss am Güterbahnhof gehören aus der Vorlage gestrichen», sagt Michael Breu, Co-Präsident der GRÜNEN Stadt und Region St.Gallen, zum Mitwirkungsverfahren «Verkehr ’45» des Bundes.

Mehr Strassenkapazität schafft mehr Autoverkehr

Die dritte Röhre wird als notwendige Engpassbeseitigung dargestellt. Tatsächlich schafft sie zusätzliche Strassenkapazität und damit die Voraussetzung für mehr Verkehr. Neue Kapazitäten führen erfahrungsgemäss dazu, dass mehr Menschen das Auto nutzen. Die Entlastung ist deshalb meist nur vorübergehend, während Lärm, Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen dauerhaft zunehmen. Hinzu kommen die enormen Emissionen, die bereits beim Bau eines weiteren Tunnels entstehen.

Anschluss gefährdet Stadtentwicklung, Naturschutz und Verkehrswende

Noch gravierender wären die Folgen des Autobahnanschlusses am Güterbahnhof. Die sogenannte Spange würde den Autoverkehr direkt ins Stadtzentrum führen und das Problem lediglich vom bestehenden Anschluss Kreuzbleiche an den Knoten St.Leonhard verschieben. Dort treffen wichtige Buslinien, eine Velovorzugsroute und stark genutzte Fusswege aufeinander. Mehr Autos würden den öffentlichen Verkehr behindern und die Sicherheit für Menschen zu Fuss und auf dem Velo verschlechtern.

Der unterirdische Kreisel und die Tunnels würden zudem die Entwicklung des Güterbahnhofareals massiv einschränken. Eine dichte, klimaangepasste Überbauung mit grosszügigen Grünräumen wäre kaum mehr möglich. Wertvolle Gebäude müssten weichen, und auch das Naturschutzgebiet am Wattbach würde beeinträchtigt. Besonders widersinnig ist, dass der neue Anschluss nur Fahrten in Richtung Zürich ermöglichen soll. Für eine solche halbe Lösung sollen zusammen mit dem Liebeggtunnel rund eine Milliarde Franken ausgegeben werden.

Die Ausbaupläne stehen auch im direkten Widerspruch zur städtischen Verkehrspolitik. Die Bevölkerung hat in mehreren Abstimmungen beschlossen, dass der Autoverkehr nicht weiterwachsen soll. Die zusätzliche Mobilität soll mit Bus, Bahn, Velo und Fussverkehr bewältigt werden. Stadtparlament und Stadtrat haben sich ebenfalls gegen den Anschluss am Güterbahnhof ausgesprochen.

Investitionen in ÖV, Velo- und Fussverkehr statt neue Autobahnen

«St.Gallen braucht keinen neuen Autobahnanschluss mitten in der Stadt. Wir brauchen häufigere S-Bahnen, zuverlässige Busse und sichere Wege für den Fuss- und Veloverkehr. Dort muss der Bund investieren», sagt Rebekka Schmid, Co-Präsidentin der GRÜNEN Stadt und Region St.Gallen. Die GRÜNEN fordern deshalb, sowohl die dritte Rosenbergröhre als auch den Anschluss Güterbahnhof aus «Verkehr ’45» zu streichen und die freiwerdenden Mittel in einen S-Bahn-Viertelstundentakt sowie in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in der Ostschweiz zu investieren.

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